Tücken der digitalen Bewerbung

Tücken der digitalen Bewerbung

Von Jens Körner

Jens Körner

In Zeiten der elektronischen Bewerbung ist es so einfach wie nie geworden, sich beim Wunscharbeitgeber ins Gespräch zu bringen. Es ist schnell, bequem und günstig; vorbei das Zusammenstellen von aufwendigen als auch preisintensiven Mappen, die auch noch einem strengen Schema der Anordnung unterlagen. Diese Vereinfachung auf Bewerberseite, ist selbstverständlich auch eine Erleichterung für jedes Personalwesen, da das Sichten wesentlich zeitsparender ist, von den eingesparten Kosten für die postalische Retoure gar nicht zu sprechen.

Leider ist es aber auch häufig so, dass durch den simpleren Bewerbungsvorgang die Fehlerdichte ebenso zunimmt. Ein weniger aufwendiges System verführt die Interessenten dazu, die Sorgfalt zu vernachlässigen. Die arbeitssparenden Möglichkeiten der Textverarbeitung sind Segen und Fluch zugleich, denn sie verleiten den Nutzer zur Standardisierung. So kommt es beispielsweise vor, dass Copy & Paste-Stilblüten eine Bewerbung schon in der ersten Zeile des Anschreibens, in ein schlechtes Licht rücken. Häufigste Flüchtigkeitsfehler sind die Verwechslung der Ansprache Herr / Frau, das Verwenden des falschen Namens und, wenn es sehr unglücklich läuft, sogar das Bewerben beim falschen Haus.

Einer der Gründe wird sein, dass man bei einer s.g. Hard Copy Bewerbung mehr Augenmerk auf das Korrekturlesen legt, bevor man sie ausdruckt. Auch ist es die Regel, den Ausdruck abermals zu prüfen, bevor man ihn in der Dokumentenmappe an der richtigen Stelle hinterlegt. Ein weiterer Grund liegt wohl in der schieren Menge. Seitdem sich das Recruitment nahezu komplett ins Internet verlagert hat, kann man auf Portalen zu jeder Tages- und Nachtzeit alle Vakanzen weltweit abrufen, anstelle sich auf turnusmäßig erscheinende Fachzeitschriften zu verlassen. Findet man also binnen einer Stunde an die zehn interessante Stellen, liegt es nahe sich zeitnah bei allen innerhalb kürzester Zeit zu bewerben. Was heute an einem Abend möglich ist, dauerte vor 15 Jahren mit Sicherheit einen kompletten Tag, wenn nicht mehr. Dass sich bei solch komprimierter Arbeitsweise der Fehlerteufel bedeutend schneller einschleicht, liegt auf der Hand.

Doch auch der Lebenslauf, der ja offensichtlich unverändert universell anwendbar ist, beinhaltet auch heute noch überraschend viele Fehler – grammatikalisch oder in Bezug auf den Aufbau – die im Hinblick auf die moderne Textverarbeitung mit ihren Prüfungsmechanismen, so eigentlich nicht mehr auftauchen dürften. Speziell in unserer Branche mit ihrer internationalen Sprache ist es chic, Positionen, Verantwortlichkeiten oder Arbeitgeber mit Fachbegriffen zu versehen. Bei aller Mühe authentisch zu sein, sollte man in diesem Fall auch entsprechend Sorgfalt walten lassen, die jeweilige Sprache mit entsprechender Korrektheit wiederzugeben.

Weitere Gratwanderungen sind die Regelungen der neuen bzw. alten Rechtschreibung, relevante oder irrelevante Informationen und schlicht das Schriftbild als solches. Die Erfolgschancen bei einer Bewerbung auf eine Direktionsstelle steigen ungemein, wenn man sich nicht für den Comic Sans Font entscheidet, nur um sich von der Masse abzuheben.

Stolperfallen im E-Mail Bewerbungsverfahren gibt es viele, auch abseits der ganz offensichtlichen Sorgfalt bei der Umsetzung. Hier nur ein paar Auszüge von relevanten Details:

  1. Die Dateigröße sollte im erträglichen Rahmen liegen. Alles jenseits der 5 MB kann unter Umständen die unsichtbare Hürde der IT Abteilung im Email Eingang nicht überwinden und wird als unzustellbar nie den Empfänger erreichen. Sollten eventuelle Food Pics unabdingbar sein, so lädt man sie einfach in die Cloud und fügt den direkten Link zum Account in der Bewerbung ein.
  2. Beschränken Sie Ihre Anhänge auf maximal drei Dateien: Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse. Es ist müßig für das Personalwesen zig verschiedene Dateien, die im schlechtesten Fall auch noch unterschiedliche Formate haben, erst herunterzuladen um sie dann auf dem eigenen Rechner zu sortieren. Eine optisch ansprechende Bewerbung kann durchaus auch in einer Datei gesendet werden, vorzugsweise als Portable Document File (PDF).
  3. Senden Sie keine Archive wie ZIP oder RAR, diese Formate werden von einer Großzahl an Sicherheitssystemen prinzipiell ausgesondert. Hintergrund sind die zunehmenden Spam Attacken, von denen viele auf diese beiden Formate zurückgreifen, um beim Öffnen Viren oder Phishing Tools zu installieren.
  4. Prüfen Sie die Qualität der eingescannten Dokumente, damit ein einwandfreier Lesefluss gewährleitet wird. Mangelhafte Auflösung erschwert das Lesen ungemein, zudem ist es kontraproduktiv wenn ein Zeugnis vertikal und das nächste horizontal angeordnet ist.
  5. Speziell bei der kochenden Zunft, geben Food Pics stets einen optimalen Eindruck über die eigenen Fähigkeiten. Wichtig hier, senden Sie ausschließlich eigene Bilder! Nichts hinterlässt einen nachteiligeren Eindruck als ein Foto bei dem bspw. das Wasserzeichen eines anderen zu sehen ist. Auch wenn das Bild als eindeutig kopiert zu identifizieren ist, wird das als sehr negativ ausgelegt. Dass eine gewisse Qualität gegeben sein muss, versteht sich von selbst.
  6. Prüfen Sie die Korrektheit ihre Kontaktdaten, passen Sie ggf. E-Mail Adresse als auch Website Adressen oder Skype ID so an, dass sie dem Anspruch einer seriösen Bewerbung gerecht werden. Eine lustige Adresse mag einfach zu merken sein und im privaten Bereich hilfreich, doch bei Bewerbungen bietet es sich an, ein gesundes Maß an Ernsthaftigkeit anzubringen. Viele Bewerber richten sich eine eigene E-Mail Adresse ausschließlich für Bewerbungen ein.

Abschließend ist festzustellen, dass mit den Möglichkeiten der digitalen Vernetzung der Bewerbungsprozess im ersten Schritt unheimlich vereinfacht wurde, doch die Sorgfalt mit der er umgesetzt werden muss, noch immer die gleiche ist. Die Stolperfallen sind mit der modernen Kommunikation nicht weniger geworden, sondern vielmehr mengenmäßig bedeutend gewachsen.

2017-05-22T13:16:12+00:00Mai 22nd, 2017|

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